Südafrika, immer noch ein Traum...

So, das mit dem Ende der Woche hat ja nicht so ganz hingehauen, ne?? Naja, ich sage mal, „African Time“. :-D Grundsätzlich, wenn sich hier einer beschweren will, tue er das unter der Nummer 0027738858433  (meine Handynummer hier) und wundere sich nicht, wenn die Antwort auf „T.I.A“ (Abkürzung für This is Africa, absoluter Running Gag hier, passt auf fast jede Lebenssituation) lautet…

 

Mir geht’s immer noch gut, es wird eigentlich von Tag zu Tag nur besser. Habe die letzten zwei Wochen großflächig damit verbracht zu feiern und massiv Leute kennenzulernen. Zum Großteil handelt es sich dabei (teilweise leider) um Amis, die sich halt teilweise echt Mühe geben auch wirklich echte Bilderbuch-Amis zu sein. Sprich, die kurzen Sporthosen müssen immer sein, egal ob man nun die Figur dafür hat oder nicht. Die laute Stimme darf natürlich nicht fehlen und, das wichtigste: das sich massiv besaufen, angesichts der Tatsache, dass man hier ja schon trinken darf – man merke: ich gehöre hier zum alten Eisen, die Amis sind ja alle nur zwischen 19 und 21. D.h., sogar ich habe nach 2 Wochen mithalten das Handtuch geworfen und zwei Entgiftungstage eingelegt, weil es mir mächtig aufn Keks ging, das ständige Trinkspiele spielen, Rumgegröle und die Tatsache, dass sie es eh alle nur machen, weil sie sonst einfach nicht den Mut haben Leute kennenzulernen. Mit zunehmender Notgeilheit innerhalb der amerikanischen Community nimmt demnach auch der Alkoholkonsum zu – was aber leider mangels Trinkerfahrung schnell die Träume vom Leute kennenlernen zerplatzen lässt, wenn man schon zu betrunken ist um klar kommunizieren zu können…

Ja, ich liebe sie, meine Amis. Also, die bei mir im Haus fallen da nicht drunter, ich mache jedes Mal wieder drei Kreuze. Aber generell isses irgendwie anstrengend sich wie ne Alte vorzukommen, die auf 14-Jährige herabguckt und nicht mehr nur trinkt, um betrunken zu sein…….. naja, wie dem auch sei, grundsätzlich ist die Community schon ok, und wenigstens die südafrikanische Truppe ist im Schnitt 27, sprich n bissel weniger unreif…

 

Ansonsten war ich zum ersten Mal surfen, was sich als unglaublich spaßig herausstellt. Die Balance kann ich ganz gut halten, durch das Snowboarden – nur Geschwindigkeit draufkriegen und dann aufstehen ist noch so ne Sache. Zumindest hab ich es schon geschafft die eine oder andere Welle zu reiten und das ganze Salzwasser aus meiner Lunge wieder rauszukriegen.

 

Abgesehen davon haben wir es am Sonntag endlich geschafft ohne Kater aufzuwachen und uns aufn Weg zum Tafelberg zu machen. Man stelle sich also bitte mal Maria vor, die Wandern aufn Tod hasst, die also freiwillig die 1100m hochlatscht… die ersten 600 Höhenmeter habe ich diesen Berg verflucht und gehasst, danach gings, mit zunehmender Aussicht wurde die Laune besser und oben angekommen, mit nem ordentlichen Wind um die Nase und nem Blick vom Atlantik bis zum Indischen Ozean ging es mir schon zunehmend genialer. Dann sind wir n bissel aufm Tafelberg rumgelaufen (ja, er ist wirklich flach, zumindest, nachdem man bis zum höchsten Punkt gekraxelt ist) und als wir dann an der Gondel ankamen, am anderen Ende, wurden wir schlagartig wieder daran erinnert, dass dies ein katholisches Land ist, wo sonntags alles möglich ist, außer Alkohol zu kaufen, shoppen zu gehen und eben Gondel zu fahren… demnach mussten wir den ganzen Berg wieder runterklettern – der Weg runter neben der Gondel ist mit Felsen bestückt, sprich es wird wirklich mehr Treppe gelaufen und geklettert als alles andere. Das dauerte auch so seine 2h, während die Sonne unterging und wir irgendwann in absoluter Dunkelheit liefen und den Sinn der Taschenlampe an unsrem Handy erkannten. „Unten“ (also immer noch auf 100m Höhe oder mehr) angekommen haben wir uns dann ne Taxe gerufen, mussten noch so nen km laufen bis zum Gondelstation – was aufgrund des enormen Rückenwindes (hab ich schon erwähnt, dass Cape Town RICHTIG windig ist??) eher in rennen bzw fliegen ausartete – und waren dann so gegen 9 zuhause, noch was essen gegangen, einen Drink hintergekippt und ab ins Bett… Montag hatte ich dann auf den fürchterlichen Beinmuskelkater (und Knie im Arsch vom Runterlaufen) schön noch das erste Tanztraining.. das war echt nett, nur hab ich ganz schön Schiss vor heute vor dem Fortgeschrittenen-Training, weil einige von denen richtig abartig gut sind, da zieh ich nur meinen Hut vor….. ach ja, die Afrikaner (ich war die einzige Weiße unter 200 Leuten), die sehen ja immer gut aus beim Tanzen, selbst die Anfänger schauen irgendwie cooler aus als ich….. *grummel*

 

Joah, ansonsten, Uni läuft so vor sich hin, ich amüsiere mich köstlich über Afrikaans, das wirklich genau in der Mitte zwischen 17.-Jahrhundert-Deutsch und Englisch ist, mein Kurs in Internationalem Recht wird echt anspruchsvoll – muss einen Fall kommentieren, ein Memorandum schreiben und dann noch die Klausur am Ende, und unser Tutorium ist aufgebaut wie ne UNO-Simulation, d.h. jedes Tutorium vertritt ein afrik. Land rechtlich gegen alle andren, d.h. wir müssen halt quasi Berater für die rechtlichen Interessen des Landes spielen und n Haufen Dokumente verfassen usw… alles n bissel praktischer angelegt als in Dtl., und generell klingts interessant, aber auch nach nem Haufen Arbeit. Mal sehen, ich bin jedenfalls Ägypten für die nächsten 5 Monate :-)

Ja, mehr gibt’s eigentlich nicht zu erzählen, weil mehr Kurse hatte ich noch nicht.

 

Society-technisch hab ich mir das Semester zugebombt, mit HipHop, Segeln/Windsurfen (=Yacht Club der Uni), der UN-Association (zwei UNO-Simulationen dieses Semester) und der Township Debating League, wo ich Jugendlichen debattieren und diskutieren beibringe und sie dann durch nen Wettbewerb hindurch betreue – natürlich werden meine Kids gewinnen, is ja klar ;-)   und dazwischen immer mal noch surfen fahren und wandern und Sand-Boarding und überhaupt… was für ein sportliches Semester…. Das mit dem Bungee-Jumping, das hier alle machen wollen, überleg ich mir noch, ich trau so nem Seil nicht so ganz….. andererseits ist das hier inner Nähe von Cape Town wohl die höchste Bungee-Jump-Brücke der Welt, oder zumindest des Kontinents…. Hm…… reizvoll…

 

Nebenbei darf ich echt viel weiter an meinem Muskelkater arbeiten, weil die Uni am Fuß vom Tafelberg liegt, so im ersten Drittel, und da meine Fakultät als einzige am Middle Campus ist, der Shuttle Bus aber nur am Lower Campus oder Upper Campus hält und ich aber Afrikaans jeden Tag am Upper Campus habe, lege ich zu Fuß täglich ne ganze Menge Höhenmeter zurück – was bei der Hitze hier schon langsam nicht mehr witzig ist, weil man vollkommen durchgeschwitzt ankommt und ich grundsätzlich ne Viertelstd.mehr für den Uni-Weg einplanen muss als alle andren. Aber ich hab zumindest für meinen Unterricht um 8:00 morgens schon nen Deal mit einem der Deutschen, dass er mich mitm Auto mitnimmt und am Middle Campus rausschmeißt.

Mit Deals hab ichs eh hier momentan. Das einzige, was mich an SA nämlich nervt ist die Abhängigkeit von den Jungs hier. Dass ich halt nach 8:00 abends nicht mehr allein rauskann. In Indien hat mich das nicht so gestört, aber da hatte ich auch nicht nur mit Amis zu tun, die alle ein paar Schisshasen vorm Herrn sind (hm.. erinnert mich an Sid) und einige es demnach nicht als selbstverständlich ansehen, mich nach Training vom Shuttle abzuholen (die Haltestelle ist 10min weit weg), weil es ja abends um 9 ist…… und der Titel Gentleman kommt auch eindeutig nicht aus den USA… *grummel* naja, gottseidank gibt es noch ein paar Europäer hier, die alle immer wieder sagen, dass es überhaupt kein Problem sei und doch wohl ne Selbstverständlichkeit und dass ich mir mal keine Gedanken machen soll, dass ich ihnen zur Last fallen könnte – das Gefühl geben einem nämlich viele von den Amis… und da ich aber nun mal zum Großteil von denen abhängig bin, hab ich jetz den Deal gestartet, dass, wer mich abends vom Shuttle abholt, 2 Bier ausgegeben kriegt. Recht teurer Deal, aber mir dann doch lieber als mein Handy oder meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen…… Nur regt es mich halt fürchterlich auf, dass ich überhaupt nen Anreiz geben muss……. Naja. Man lernt den europäischen Gentleman zu schätzen.

 

Ansonsten, zum Schluss, das neuste Hausmittelchen, an mir selbst erfolgreich getestet: Kaugummi im Haar (nein, ich weiß nicht, wie er da hin kam, ich weiß nur, dass ich ihn morgens im Haar hatte – irgendwer muss mich echt hassen) geht am besten raus, wenn man Erdnussbutter draufschmiert und es dann rauskämmt! :-) da war ich mal wieder dankbar Amis im Haus zu haben, die absolut süchtig nach dem Zeug sind, sodass wir es gleich austesten konnten und mein Haar gerettet wurde….

 

 

Soviel aus Cape Town, ich werde diesmal keine Versprechung machen, wann ich wieder blogge, sondern bleibe bei dem Motto, wenn ich mich nicht melde, geht’s mir gut und wenn ich es tue, muss das nicht heißen, dass es mir schlecht geht, vielmehr hab ich dann ein schlechtes Gewissen…. :-P

Denn: mir geht es gut, ich bin immer noch der Überzeugung, hier könnte ich bleiben….

18.2.09 17:13

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mami (20.2.09 10:10)
FERNWEH, NEUGIERDE,NEID!!!


omi opi haferkorn (23.2.09 19:38)
liebes marichen, omi sagt miechen, wir freuen uns sehr über deine informationen aus dem fernen südafrika und besonders, dass es die sehr gefällt und du uns teilhaben läßt. Frue dich weiterhin und ignoriere wenn das umfeld mal nicht so ist - so ist das im leben - es gibt schöne und schlechte tage - ich, opa, bin schon wieder arbeiten in ohrdruf, will auch viel investieren um die gebäude schön zu machen, aber so ein blöder rechtsanwalt in hamburg versucht durch winkeladvokatische tricks mir das leben zu vermießen- also studiere schön, damit du mal ein guter anwalt wirst und den leuten freude bereitest. omi sagt ja immer, lerne viel, ich sage alles kann man nicht wissen, aber wo es steht sollte man wissen und sich vernünftige ansichten und gedanken bewahren.
also pass auf dich auf, genieße diese schöne zeit und das schöne land. wir denken an dich und haben dich ganz lieb. viele küsschen von omi und opi. hoffentlich kommt das an.


Jule (7.3.09 16:30)
Uiuiui, jetzt weiß ich Bescheid! Habe ganz fleißig gelesen und bin doch etwas neidisch... Ganz so warm isses hier in Sofia nicht...
Wünsch dir trotzdem weiter ganz viel Spaß und Sonne, aber immer schön eincremen!

Liebe Grüße,
Jule

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