Lebenszeichen 2 oder „Meine Mitbewohner und Freunde“ (auch eine Woche alt)

Nach dem Reinfall in BG hab ich mir ja nun um einiges mehr Offenheit vorgenommen gehabt und bisher läuft das auch recht gut. Erst hat sich das komisch angefühlt, immer von Leuten umgeben zu sein, nachdem ich ein Semester einen auf Sadhu-Einsiedler gemacht hab. Aber man ergibt sich bald der Tatsache, dass man in Cape Town nun mal nicht allein durch die Gegend zieht (sicherheitsbedingt) und dass man bei 8 Leuten in einem Haus nie allein ist. aber, ich muss sagen, ich hab wieder mal mehr Glück als Verstand gehabt. Meine Mitbewohner sind allesamt superentspannt drauf, sehr offen und generell gehen wir alle davon aus, dass es bei uns keinerlei Dramen geben wird – im Gegensatz zu manch andren Häusern, wo die Leute sich jetz schon hassen. Im Detail habe ich also als Mitbewohner: Mick: 24, Niederländer aus der Nähe von Enschede, Jura-Student, der schon seit einem Semester hier ist und seinen 2. Master of Law in Cape Town macht; Isaac: 20, Ami mit südafrikanischen, jüdischen Vorfahren, aus Seattle, Biologe; Laura: 20, aus Minnesota, studiert Sozialwissenschaften und erinnert mich ganz krass an Andi aus Indien; Gabby, 21, Kanadierin aus Vancouver, studiert auch irgendwas in die Richtung, will aber später in die Medizin; Justin, 19, Ami aus Michigan, studiert Politikwissenschaften – hat mich auch in ner Argumentation schon in Grund und Boden argumentiert; Shaun, 20, Ami aus Wisconsin, studiert Afrikanistik, ist homosexuell und unglaublich witzig – wenn auch ein bisschen paranoid, was die Sicherheit hier angeht; Kara, 20, auch vonner Uni Michigan, und die einzige, mit der ich nicht wirklich kann… alle sagen, wir seien komplett gegensätzlich und ich glaub, ich werde ihr einfach ausm Weg gehen… im Gegensatz zu allen andren ist sie nämlich typisch amerikanisch und dazu auch noch weinerlich, hat Angst ihre Ängste zu überwinden (Angst vor Katzen und Vögeln, und besessen davon immer mit dem gleichen Stift zu schreiben) und packt es nicht, obwohl sie im Ausland ist, ausm Haus rauszukommen und Leute kennenzulernen. Bissel anstrengend. Aber egal, wir werden uns nicht an die Gurgel gehen und somit passt das schon. Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden, wir kommen alle gut miteinander aus, und es ist erstaunlich, wie gut 8 Leute sich Küche und Bad teilen können. Machen viel zusammen und werden sicher ne klasse Zeit zusammen haben.. Dazu kommen dann noch zwei Amis (übrigens: ja, 90% der Austauschstudenten hier sind Amis, der Rest sind Skandinavier, Deutsche und Kanadier – und dann vereinzelt Holländer, Schweizer und n paar Mexikaner… die Afrikaner kommen meist für ein ganzes Studium hierher) – Andrew und Chris, die in dem andren Haus in unsrer Straße wohnen und echt schwer in Ordnung sind (auch eher weniger amerikanisch) und ein ganzer Pulk an Südafrikanern (alle Xhosa (sprich, schwarz), Mick’s Freunde), die mit uns immer rumhängen, uns so’n bissel in die Gegend und die Community in Obs (Observatory, mein Viertel hier) einführen, sodass wir mit den Locals n bissel in Kontakt kommen. Abgesehen davon hab ich mir ein Mädel ausgeguckt, die mit mir vom Flughafen abgeholt wurde und bisher von allen Mädels diejenige ist, mit der ich am besten kann, die mir am ähnlichsten ist und mit der ich stundenlang labern kann. Praktischerweise heißt sie Maria, :-P , kommt aus Washington D.C. (haha, noch ne Hauptstadtpflanze), studiert Philosophie, ist interessiert an allem, was nicht amerikanisch ist, weiß jetz schon, dass sie hierher auswandern wird und ist unglaublich viel gereist. Gute Grundlage. Nur hat sie anscheinend ne grundsätzliche Bindungsangst, was Freundschaften angeht, von daher schaun wir einfach mal……. Alles in Allem bin ich sehr zufrieden hier, mir brummt der Kopf von all den vielen Namen und Gesichtern usw., aber ich bin glücklicher denn je in den letzten Monaten und genieße es einfach nur endlich wieder an meinem Englisch zu arbeiten. Mein Deutsch leidet, wie man merkt, fürchterlich drunter, aber so ist das nun mal. Die Deutschen hier sind alle in Ordnung, zum Teil mehr, zum Teil weniger, aber im Grunde alle wenig „deutsch“ und schon ok… ich versuche trotzdem nen großen Bogen drum zu machen, weil das meinem Englisch auch nicht hilft… auch, wenn mir alle immer wieder sagen, wie gut mein Englisch sei, und dass ich keinen deutschen Akzent hätte, eher nen Kanadischen, blablabla…. Ich weiß, dass ich noch einiges dran zu arbeiten hab…… Nja, party-technisch sind wir seit einer Woche am durchfeiern, größtenteils in Obs (hier gibt’s die meisten Bars, Restaurants und Billard), einmal waren wir auf ner Ersti-party (und haben uns fürchterlich alt gefühlt) und einmal in nem Club inner Stadt im 31.Stock von nem Wolkenkratzer… alles sehr nett, nur haben die Clubs halt nen Dresscode und sind dementsprechend schick…. Dazu kommt, dass ich zwar endlich wieder in nem Land bin, wo mein Musikstil auch angesehen ist, aber im Schnitt ist halt Dance und House hier dominierend – der europäische Einfluss ist einfach zu groß….. Aber insgesamt isses erträglich (bin ja von BG aus schon abgehärtet) und wir haben viel Spaß… gestern hatten wir dann ca. 30-40 Leute im Haus, Poolparty zum Kennenlernen; haben einfach alle 6 Häuser in Obs eingeladen, plus einzelne Leute, und uns gleich erstmal Ärger mit den Nachbarn eingehandelt. Die sind halt n bissel geräuschempfindlich….. das müssen wir noch ausdiskutieren………….

13.2.09 13:53

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