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Lebenszeichen 1 oder „Ankunft und Barbie’s Traumhaus“ (eine Woche alt)

So, jetz finde ich endlich mal Zeit. Asche auf mein Haupt, ich hab mich ewig nicht zu Wort gemeldet. Aber, um ehrlich zu sein, ich hatte nicht nur keine Zeit, sondern auch wenig Lust… es ist einfach unglaublich schwierig, all das hier zusammenzufassen – dazu kommt, dass ich meine Zeit momentan einfach nur mit socializing voll packe, damit mir nicht wieder das gleiche passiert, wie in BG. Und bisher funktioniert das auch wunderbar… mir geht’s super, ich baue langsam aber sicher kleine Freundschaften auf und hab superviel Spaß am Leben momentan… Sprich, man kann es wohl so umschreiben: wenn ich mich nicht viel melde, dann geht es mir gut! :-P Ok, aber von Anfang an… ich werde heut, der Übersicht halber, mehrere Blogs schreiben, sonst komm ich voll durcheinander… Also…….. da bin ich also los. Ab nach Heathrow, dort 3h rumgelaufen, mich drüber amüsiert, wie hässlich dieser Flughafen doch ist, und darüber, dass die Briten mich genauso wenig verstehen wie ich sie (toller Moment, wenn man sich gegenüber steht und beide sich fragen, ob wir wirklich die gleiche Sprache sprechen) , mich gewundert, dass es in diesem Flughafen keine Mülleimer gibt, mir n Buch für den Flug gekauft und dann ab in den Flieger. Der war gerammelt voll bis obenhin, mit größtenteils Deutschen, Südafrikanern und Schweden…… den Flug über hab ich eigentlich nur gelesen und gepennt und ab und zu mich mit meinem Sitznachbarn, nem Schweden, der ein Jahr hier in Stellenbosch studiert hat und jetz zurückkehrt um hier zu leben, unterhalten… so’n bissel Insider-Infos abgegriffen usw… Nja, und eh man sich’s versah, flogen wir auch schon in Cape Town ein… was schon mal ein super Start ist, weil ich rechts saß und man auf der Seite vom Flugzeug als allererstes einen super Blick auf den Tafelberg hat… :-) Also, gelungener Start, abgeholt wurden wir auch von den Studenten, die für unsere Einführungswoche zuständig waren, und dann zu unsren Häusern gekarrt…….. Ich kam an meinem Haus an, sah mein Zimmer (winzig), war erstmal genervt, dass meine Miete höher ist als angekündigt und vergaß es sofort, als ich den Rest des Hauses sah: unsre Küche ist riesig, mit amerikanischer Bar, Waschmaschine und Trockner, unser Wohnzimmer noch größer, mit riesigem Fernseher und DVD-Player und unser Garten ist ein absoluter Traum, mit riesiger Terasse, übergroßem Pool und nem Braai (Worterklärung: „braai“ ist die südafrikanische Bezeichnung für Grillen, wird sowohl als Verb, als auch als Substantiv benutzt) und………. Ach, einfach ein Traum. Jeder, der in unser Haus kommt, ist begeistert, alle schwärmen davon und geben unumwunden zu, dass unser Haus von allen das tollste ist. Mein Zimmer ist winzig-klein, hat nen Kamin (traue dem aber nicht, glaube nicht, dass der Schornstein frei ist und werde es auch nicht ausprobieren) und… nja, schaut jetz, nachdem ich wieder alles mit Postern und Fotos zugeklatscht hab, endlich wohnlich aus. Ich nenne es liebevoll mein „Closet“ (Schrank), weil viel größer ist es wirklich nicht. Mit dem Schicksal sind noch zwei meiner Mitbewohnerinnen gestraft, alle anderen haben riesige Zimmer mit Doppelbetten usw……. naja, so ist das Leben. Da ich den Großteil der Zeit eh am Pool verbringe, macht das nichts… Ansonsten gibt’s zwei Bäder, ein großes mit Klo, Dusche und Badewanne und ein kleines oben mit Dusche und Klo…. Alles in allem habe ich das Gefühl in absolutem Luxus zu leben – vollkommen unverdient – und total verwöhnt zu werden….. Soviel also zu meiner Unterkunft…..

1 Kommentar 13.2.09 13:32, kommentieren



Lebenszeichen 2 oder „Meine Mitbewohner und Freunde“ (auch eine Woche alt)

Nach dem Reinfall in BG hab ich mir ja nun um einiges mehr Offenheit vorgenommen gehabt und bisher läuft das auch recht gut. Erst hat sich das komisch angefühlt, immer von Leuten umgeben zu sein, nachdem ich ein Semester einen auf Sadhu-Einsiedler gemacht hab. Aber man ergibt sich bald der Tatsache, dass man in Cape Town nun mal nicht allein durch die Gegend zieht (sicherheitsbedingt) und dass man bei 8 Leuten in einem Haus nie allein ist. aber, ich muss sagen, ich hab wieder mal mehr Glück als Verstand gehabt. Meine Mitbewohner sind allesamt superentspannt drauf, sehr offen und generell gehen wir alle davon aus, dass es bei uns keinerlei Dramen geben wird – im Gegensatz zu manch andren Häusern, wo die Leute sich jetz schon hassen. Im Detail habe ich also als Mitbewohner: Mick: 24, Niederländer aus der Nähe von Enschede, Jura-Student, der schon seit einem Semester hier ist und seinen 2. Master of Law in Cape Town macht; Isaac: 20, Ami mit südafrikanischen, jüdischen Vorfahren, aus Seattle, Biologe; Laura: 20, aus Minnesota, studiert Sozialwissenschaften und erinnert mich ganz krass an Andi aus Indien; Gabby, 21, Kanadierin aus Vancouver, studiert auch irgendwas in die Richtung, will aber später in die Medizin; Justin, 19, Ami aus Michigan, studiert Politikwissenschaften – hat mich auch in ner Argumentation schon in Grund und Boden argumentiert; Shaun, 20, Ami aus Wisconsin, studiert Afrikanistik, ist homosexuell und unglaublich witzig – wenn auch ein bisschen paranoid, was die Sicherheit hier angeht; Kara, 20, auch vonner Uni Michigan, und die einzige, mit der ich nicht wirklich kann… alle sagen, wir seien komplett gegensätzlich und ich glaub, ich werde ihr einfach ausm Weg gehen… im Gegensatz zu allen andren ist sie nämlich typisch amerikanisch und dazu auch noch weinerlich, hat Angst ihre Ängste zu überwinden (Angst vor Katzen und Vögeln, und besessen davon immer mit dem gleichen Stift zu schreiben) und packt es nicht, obwohl sie im Ausland ist, ausm Haus rauszukommen und Leute kennenzulernen. Bissel anstrengend. Aber egal, wir werden uns nicht an die Gurgel gehen und somit passt das schon. Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden, wir kommen alle gut miteinander aus, und es ist erstaunlich, wie gut 8 Leute sich Küche und Bad teilen können. Machen viel zusammen und werden sicher ne klasse Zeit zusammen haben.. Dazu kommen dann noch zwei Amis (übrigens: ja, 90% der Austauschstudenten hier sind Amis, der Rest sind Skandinavier, Deutsche und Kanadier – und dann vereinzelt Holländer, Schweizer und n paar Mexikaner… die Afrikaner kommen meist für ein ganzes Studium hierher) – Andrew und Chris, die in dem andren Haus in unsrer Straße wohnen und echt schwer in Ordnung sind (auch eher weniger amerikanisch) und ein ganzer Pulk an Südafrikanern (alle Xhosa (sprich, schwarz), Mick’s Freunde), die mit uns immer rumhängen, uns so’n bissel in die Gegend und die Community in Obs (Observatory, mein Viertel hier) einführen, sodass wir mit den Locals n bissel in Kontakt kommen. Abgesehen davon hab ich mir ein Mädel ausgeguckt, die mit mir vom Flughafen abgeholt wurde und bisher von allen Mädels diejenige ist, mit der ich am besten kann, die mir am ähnlichsten ist und mit der ich stundenlang labern kann. Praktischerweise heißt sie Maria, :-P , kommt aus Washington D.C. (haha, noch ne Hauptstadtpflanze), studiert Philosophie, ist interessiert an allem, was nicht amerikanisch ist, weiß jetz schon, dass sie hierher auswandern wird und ist unglaublich viel gereist. Gute Grundlage. Nur hat sie anscheinend ne grundsätzliche Bindungsangst, was Freundschaften angeht, von daher schaun wir einfach mal……. Alles in Allem bin ich sehr zufrieden hier, mir brummt der Kopf von all den vielen Namen und Gesichtern usw., aber ich bin glücklicher denn je in den letzten Monaten und genieße es einfach nur endlich wieder an meinem Englisch zu arbeiten. Mein Deutsch leidet, wie man merkt, fürchterlich drunter, aber so ist das nun mal. Die Deutschen hier sind alle in Ordnung, zum Teil mehr, zum Teil weniger, aber im Grunde alle wenig „deutsch“ und schon ok… ich versuche trotzdem nen großen Bogen drum zu machen, weil das meinem Englisch auch nicht hilft… auch, wenn mir alle immer wieder sagen, wie gut mein Englisch sei, und dass ich keinen deutschen Akzent hätte, eher nen Kanadischen, blablabla…. Ich weiß, dass ich noch einiges dran zu arbeiten hab…… Nja, party-technisch sind wir seit einer Woche am durchfeiern, größtenteils in Obs (hier gibt’s die meisten Bars, Restaurants und Billard), einmal waren wir auf ner Ersti-party (und haben uns fürchterlich alt gefühlt) und einmal in nem Club inner Stadt im 31.Stock von nem Wolkenkratzer… alles sehr nett, nur haben die Clubs halt nen Dresscode und sind dementsprechend schick…. Dazu kommt, dass ich zwar endlich wieder in nem Land bin, wo mein Musikstil auch angesehen ist, aber im Schnitt ist halt Dance und House hier dominierend – der europäische Einfluss ist einfach zu groß….. Aber insgesamt isses erträglich (bin ja von BG aus schon abgehärtet) und wir haben viel Spaß… gestern hatten wir dann ca. 30-40 Leute im Haus, Poolparty zum Kennenlernen; haben einfach alle 6 Häuser in Obs eingeladen, plus einzelne Leute, und uns gleich erstmal Ärger mit den Nachbarn eingehandelt. Die sind halt n bissel geräuschempfindlich….. das müssen wir noch ausdiskutieren………….

13.2.09 13:53, kommentieren

Lebenszeichen 3 oder „Cape Town und UCT“ (auch 1 woche alt)

So….. da bin ich nun am andren Ende der Welt…. Und es ist kein Stück anders. Cape Town ist unglaublich europäisch, alle sagen, es sei nicht Afrika. Und dem gebe ich Recht. Cape Town ist ein absoluter Traum, ich fühle mich unglaublich wohl hier, besonders mit dem Wetter, dem Mix aus Strand und Berg (ja, ich kriege immer noch jedes Mal nen Schock, wenn ich den Tafelberg direkt vor meiner Tür sehe, ist einfach ungewohnt – und obendrauf war ich noch nicht), den Palmen (juchhu!!!) und der unglaublich entspannten Mentalität, die man auf der Südhalbkugel nun mal findet…. Aber Afrika ist das nicht. Gesehen hab ich von der Stadt noch nicht so viel, wir waren halt mal im Zentrum, aber auf hard-core Sightseeing in ner Truppe mit 7 Leuten hab ich keine Lust und außerdem war es schon mächtig touristisch… demnach bleiben wir normalerweise in Obs… zum Kap der Guten Hoffnung sind wir während der Einführungswoche gekarrt worden – das war einfach nur unheimlich beeindruckend. Auf den Felsen bin ich nicht rauf, aber auch so, wenn man da am Strand steht und aufs Meer guckt und weiß, das nächste, was da kommt, ist die Antarktis…. Unheimlich beeindruckend und spirituell…. Und die ganzen Buchten drumrum, in dem Nationalpark, also False Bay und wie sie nicht alle heißen, das ist ein Anblick… man möchte am liebsten sofort auswandern, ein Haus kaufen und da bleiben…… ein absoluter Traum, ich hab mich sofort verliebt. Ansonsten werden wir die Woche jetzt wohl mal CPT touristisch angehen, also ich will zumindest unbedingt Hai-Tauchen machen und nach Atlantis (45 Min. nördlich) fahren zum Sand-Boarding und ansonsten gehen wir ab morgen das Surfen an, da wird nach Muizenberg gefahren (Indischer Ozean, der Atlantik ist zu kalt) und dann geht’s los aufs Board.... irgendwann werden wir mal n verlängertes Wochenende in den Winelands (Stellenbosch) angehen und in den Osterferien wird dann eine Woche die Garden Route gemacht… am Ende des Semesters werde ich dann sehen, was ich dann noch mache – entweder ich besuche Pips in Jo’burg oder wir machen mit n paar Leuten die übliche Tour, die hier alle machen: entweder nach Namibia hoch oder Durban und dann Zimbabwe oder Mozambique. Mal sehen…. Ansonsten……… joa, ne, ist Südafrika. Ich musste mich erstmal dran gewöhnen, dass es hier normal ist, alle in Hautfarben einzuteilen, an den Gedanken, dessen ich mich nicht erwehren kann, wenn ich nen weißen Südafrikaner sehe, der da ist: „und wie stehst du dazu?“ und einfach mit der Teilung, die es immer noch gibt. In Obs geht es wirklich, das hier ist das gemischteste Viertel und somit sehr offen, aber generell hängen die Gruppen doch eher untereinander ab…… sehr gewöhnungsbedürftig.. schmunzeln musste ich dann doch schon, als mir beigebracht wurde, dass man hier nicht vom „Poolboy“ spricht, sondern vom „Pooldoctor“, weil „boy“ ja Apartheid-vorbelastet ist….. lol… n bissel wie inner DDR, wo der Führerschein umbenannt wurde…. Generell werde ich an der Uni versuchen in eins dieser Projekte reinzukommen, um da n bissel reinzuschnuppern, wird garantiert hart, weil die Projekte alle in den Townships sind, aber sicher lehrreich….. muss aber erstmal schauen, weil das zum Großteil immer um Unterrichten geht und ich mir das nicht so recht zutraue, Mathe oder so was zu unterrichten…ich hoffe, es gibt noch andere Sachen, im Notfall gibt es wohl ein Projekt, wo man mit den Kids quasi nen Debattierclub aufmacht, ihnen beibringt, wie man diskutiert und argumentiert, und mit ihnen an Wettbewerben teilnimmt… ich denke, das ist für mich als Jura-Student noch machbar…. Ja, die Uni….. ist ein Traum. Unbeschreiblich, dieser Campus… absolut traumhaft, rieeeesig und meine Fakultät ist genau in der Mitte. Superklasse. Habe auch alle Kurse gekriegt, die ich haben wollte, d.h. ab nächster Woche schlage ich mich mit Internationalem Recht, EU-Recht und Umweltrecht rum, sowie täglichem Afrikaans…. Xhosa hab ich aufgegeben, weil ich die Klickgeräusche einfach nicht gebacken kriege, und Zulu und Suaheli werden dieses Semester nicht angeboten… also dann doch die Unterdrücker-Sprache….. Sportkurse suche ich mir diese Woche, wird wohl entweder auf Tanzen, oder auf Surfen hinauslaufen. Wollte eigentlich Segeln, aber irgendwie haben die nur nen Kurs, der sich „Yacht“ nennt und für mich eher nach „wir liegen auf Deck und sehen reich aus“ klingt…… mal sehen… werde mich mal informieren… Joa………. Ich glaub, das wars erstmal von mir.. ich könnte noch viel mehr erzählen, von der Einführungswoche und dem Trommelkurs da, und von all den Sicherheitshinweisen …. Aber im Grunde ist da nix spannendes bei. Ich weiß, dass ich nicht allein rumlaufe, nicht mehr als 300 Rand mit mir rumschleppe (mehr brauche ich auch nicht) und mein Handy möglichst nicht rumwedle (habe mich ein neues, billiges gekauft, weil das am meisten geklaut wird und ich lieber n Handy weggebe, als nen Finger…) und mein Fenster im Zimmer zumache, wenn ich nicht im Zimmer bin und den Vorhang vor, wenn ich gehe. Im Schnitt würde ich sagen, muss man in Cape Town die gleichen Regeln befolgen wie in Indien und vielleicht noch ein-zwei mehr. Aber grundsätzlich muss man hier keine Angst haben, wenn man nicht nachts allein unterwegs ist… ich mag es nicht sonderlich, von andren Leuten, bzw. eigentlich immer Männern, abhängig zu sein und nicht allein rauszukönnen, aber so ist das nun mal, also werde ich mich damit abfinden müssen. So, ende, aus, ich kann nicht mehr tippen……… mehr in naher Zukunft… ich kann nicht versprechen, wann, aber ich denke, gegen Ende der Woche dürfte ich mal Zeit finden…… Bis dahin, viele Grüße aus Cape Town – die Stadt, die Berlin in meinem Herzen mächtig Konkurrenz macht

1 Kommentar 13.2.09 13:57, kommentieren

Südafrika, immer noch ein Traum...

So, das mit dem Ende der Woche hat ja nicht so ganz hingehauen, ne?? Naja, ich sage mal, „African Time“. :-D Grundsätzlich, wenn sich hier einer beschweren will, tue er das unter der Nummer 0027738858433  (meine Handynummer hier) und wundere sich nicht, wenn die Antwort auf „T.I.A“ (Abkürzung für This is Africa, absoluter Running Gag hier, passt auf fast jede Lebenssituation) lautet…

 

Mir geht’s immer noch gut, es wird eigentlich von Tag zu Tag nur besser. Habe die letzten zwei Wochen großflächig damit verbracht zu feiern und massiv Leute kennenzulernen. Zum Großteil handelt es sich dabei (teilweise leider) um Amis, die sich halt teilweise echt Mühe geben auch wirklich echte Bilderbuch-Amis zu sein. Sprich, die kurzen Sporthosen müssen immer sein, egal ob man nun die Figur dafür hat oder nicht. Die laute Stimme darf natürlich nicht fehlen und, das wichtigste: das sich massiv besaufen, angesichts der Tatsache, dass man hier ja schon trinken darf – man merke: ich gehöre hier zum alten Eisen, die Amis sind ja alle nur zwischen 19 und 21. D.h., sogar ich habe nach 2 Wochen mithalten das Handtuch geworfen und zwei Entgiftungstage eingelegt, weil es mir mächtig aufn Keks ging, das ständige Trinkspiele spielen, Rumgegröle und die Tatsache, dass sie es eh alle nur machen, weil sie sonst einfach nicht den Mut haben Leute kennenzulernen. Mit zunehmender Notgeilheit innerhalb der amerikanischen Community nimmt demnach auch der Alkoholkonsum zu – was aber leider mangels Trinkerfahrung schnell die Träume vom Leute kennenlernen zerplatzen lässt, wenn man schon zu betrunken ist um klar kommunizieren zu können…

Ja, ich liebe sie, meine Amis. Also, die bei mir im Haus fallen da nicht drunter, ich mache jedes Mal wieder drei Kreuze. Aber generell isses irgendwie anstrengend sich wie ne Alte vorzukommen, die auf 14-Jährige herabguckt und nicht mehr nur trinkt, um betrunken zu sein…….. naja, wie dem auch sei, grundsätzlich ist die Community schon ok, und wenigstens die südafrikanische Truppe ist im Schnitt 27, sprich n bissel weniger unreif…

 

Ansonsten war ich zum ersten Mal surfen, was sich als unglaublich spaßig herausstellt. Die Balance kann ich ganz gut halten, durch das Snowboarden – nur Geschwindigkeit draufkriegen und dann aufstehen ist noch so ne Sache. Zumindest hab ich es schon geschafft die eine oder andere Welle zu reiten und das ganze Salzwasser aus meiner Lunge wieder rauszukriegen.

 

Abgesehen davon haben wir es am Sonntag endlich geschafft ohne Kater aufzuwachen und uns aufn Weg zum Tafelberg zu machen. Man stelle sich also bitte mal Maria vor, die Wandern aufn Tod hasst, die also freiwillig die 1100m hochlatscht… die ersten 600 Höhenmeter habe ich diesen Berg verflucht und gehasst, danach gings, mit zunehmender Aussicht wurde die Laune besser und oben angekommen, mit nem ordentlichen Wind um die Nase und nem Blick vom Atlantik bis zum Indischen Ozean ging es mir schon zunehmend genialer. Dann sind wir n bissel aufm Tafelberg rumgelaufen (ja, er ist wirklich flach, zumindest, nachdem man bis zum höchsten Punkt gekraxelt ist) und als wir dann an der Gondel ankamen, am anderen Ende, wurden wir schlagartig wieder daran erinnert, dass dies ein katholisches Land ist, wo sonntags alles möglich ist, außer Alkohol zu kaufen, shoppen zu gehen und eben Gondel zu fahren… demnach mussten wir den ganzen Berg wieder runterklettern – der Weg runter neben der Gondel ist mit Felsen bestückt, sprich es wird wirklich mehr Treppe gelaufen und geklettert als alles andere. Das dauerte auch so seine 2h, während die Sonne unterging und wir irgendwann in absoluter Dunkelheit liefen und den Sinn der Taschenlampe an unsrem Handy erkannten. „Unten“ (also immer noch auf 100m Höhe oder mehr) angekommen haben wir uns dann ne Taxe gerufen, mussten noch so nen km laufen bis zum Gondelstation – was aufgrund des enormen Rückenwindes (hab ich schon erwähnt, dass Cape Town RICHTIG windig ist??) eher in rennen bzw fliegen ausartete – und waren dann so gegen 9 zuhause, noch was essen gegangen, einen Drink hintergekippt und ab ins Bett… Montag hatte ich dann auf den fürchterlichen Beinmuskelkater (und Knie im Arsch vom Runterlaufen) schön noch das erste Tanztraining.. das war echt nett, nur hab ich ganz schön Schiss vor heute vor dem Fortgeschrittenen-Training, weil einige von denen richtig abartig gut sind, da zieh ich nur meinen Hut vor….. ach ja, die Afrikaner (ich war die einzige Weiße unter 200 Leuten), die sehen ja immer gut aus beim Tanzen, selbst die Anfänger schauen irgendwie cooler aus als ich….. *grummel*

 

Joah, ansonsten, Uni läuft so vor sich hin, ich amüsiere mich köstlich über Afrikaans, das wirklich genau in der Mitte zwischen 17.-Jahrhundert-Deutsch und Englisch ist, mein Kurs in Internationalem Recht wird echt anspruchsvoll – muss einen Fall kommentieren, ein Memorandum schreiben und dann noch die Klausur am Ende, und unser Tutorium ist aufgebaut wie ne UNO-Simulation, d.h. jedes Tutorium vertritt ein afrik. Land rechtlich gegen alle andren, d.h. wir müssen halt quasi Berater für die rechtlichen Interessen des Landes spielen und n Haufen Dokumente verfassen usw… alles n bissel praktischer angelegt als in Dtl., und generell klingts interessant, aber auch nach nem Haufen Arbeit. Mal sehen, ich bin jedenfalls Ägypten für die nächsten 5 Monate :-)

Ja, mehr gibt’s eigentlich nicht zu erzählen, weil mehr Kurse hatte ich noch nicht.

 

Society-technisch hab ich mir das Semester zugebombt, mit HipHop, Segeln/Windsurfen (=Yacht Club der Uni), der UN-Association (zwei UNO-Simulationen dieses Semester) und der Township Debating League, wo ich Jugendlichen debattieren und diskutieren beibringe und sie dann durch nen Wettbewerb hindurch betreue – natürlich werden meine Kids gewinnen, is ja klar ;-)   und dazwischen immer mal noch surfen fahren und wandern und Sand-Boarding und überhaupt… was für ein sportliches Semester…. Das mit dem Bungee-Jumping, das hier alle machen wollen, überleg ich mir noch, ich trau so nem Seil nicht so ganz….. andererseits ist das hier inner Nähe von Cape Town wohl die höchste Bungee-Jump-Brücke der Welt, oder zumindest des Kontinents…. Hm…… reizvoll…

 

Nebenbei darf ich echt viel weiter an meinem Muskelkater arbeiten, weil die Uni am Fuß vom Tafelberg liegt, so im ersten Drittel, und da meine Fakultät als einzige am Middle Campus ist, der Shuttle Bus aber nur am Lower Campus oder Upper Campus hält und ich aber Afrikaans jeden Tag am Upper Campus habe, lege ich zu Fuß täglich ne ganze Menge Höhenmeter zurück – was bei der Hitze hier schon langsam nicht mehr witzig ist, weil man vollkommen durchgeschwitzt ankommt und ich grundsätzlich ne Viertelstd.mehr für den Uni-Weg einplanen muss als alle andren. Aber ich hab zumindest für meinen Unterricht um 8:00 morgens schon nen Deal mit einem der Deutschen, dass er mich mitm Auto mitnimmt und am Middle Campus rausschmeißt.

Mit Deals hab ichs eh hier momentan. Das einzige, was mich an SA nämlich nervt ist die Abhängigkeit von den Jungs hier. Dass ich halt nach 8:00 abends nicht mehr allein rauskann. In Indien hat mich das nicht so gestört, aber da hatte ich auch nicht nur mit Amis zu tun, die alle ein paar Schisshasen vorm Herrn sind (hm.. erinnert mich an Sid) und einige es demnach nicht als selbstverständlich ansehen, mich nach Training vom Shuttle abzuholen (die Haltestelle ist 10min weit weg), weil es ja abends um 9 ist…… und der Titel Gentleman kommt auch eindeutig nicht aus den USA… *grummel* naja, gottseidank gibt es noch ein paar Europäer hier, die alle immer wieder sagen, dass es überhaupt kein Problem sei und doch wohl ne Selbstverständlichkeit und dass ich mir mal keine Gedanken machen soll, dass ich ihnen zur Last fallen könnte – das Gefühl geben einem nämlich viele von den Amis… und da ich aber nun mal zum Großteil von denen abhängig bin, hab ich jetz den Deal gestartet, dass, wer mich abends vom Shuttle abholt, 2 Bier ausgegeben kriegt. Recht teurer Deal, aber mir dann doch lieber als mein Handy oder meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen…… Nur regt es mich halt fürchterlich auf, dass ich überhaupt nen Anreiz geben muss……. Naja. Man lernt den europäischen Gentleman zu schätzen.

 

Ansonsten, zum Schluss, das neuste Hausmittelchen, an mir selbst erfolgreich getestet: Kaugummi im Haar (nein, ich weiß nicht, wie er da hin kam, ich weiß nur, dass ich ihn morgens im Haar hatte – irgendwer muss mich echt hassen) geht am besten raus, wenn man Erdnussbutter draufschmiert und es dann rauskämmt! :-) da war ich mal wieder dankbar Amis im Haus zu haben, die absolut süchtig nach dem Zeug sind, sodass wir es gleich austesten konnten und mein Haar gerettet wurde….

 

 

Soviel aus Cape Town, ich werde diesmal keine Versprechung machen, wann ich wieder blogge, sondern bleibe bei dem Motto, wenn ich mich nicht melde, geht’s mir gut und wenn ich es tue, muss das nicht heißen, dass es mir schlecht geht, vielmehr hab ich dann ein schlechtes Gewissen…. :-P

Denn: mir geht es gut, ich bin immer noch der Überzeugung, hier könnte ich bleiben….

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